Die drei Linien
Aufwind, Höhenflug, Ikarus
Drei Namen, die dasselbe erzählen: wie weit man kommt, wenn man sich tragen lässt — und was passiert, wenn man weiter will.
Der Ort
Zwischen Rebzeile und Rollfeld
In Bad Dürkheim gibt es einen Segelflugplatz, den viele Piloten kennen. Er liegt am Rand der Weinberge, im Rücken die Haardt, davor die Rheinebene — eine Gegend, in der die Thermik zuverlässig steht. Direkt neben dem Rollfeld liegt das Weingut Thomas Hensel.
Man kann so etwas ignorieren. Thomas Hensel hat es zum Prinzip gemacht: Das Flugmotiv steckt im Logo, und die drei Linien des Hauses tragen die Namen dessen, was über den Reben passiert. Die Steigerung ist keine Marketingidee, sie beschreibt tatsächlich, wie viel Selektion, Zeit und Fass in einer Flasche steckt.
Erste Höhe
Aufwind
Aufwind ist das, was einen Segler oben hält, ohne dass er etwas dafür tun muss. Warme Luft steigt, der Flügel nimmt sie mit.
Genau das leistet die Linie: Sie trägt. Der größte Teil der Weine reift im Edelstahl, einzelne sehen anteilig Holz — der Grüne Veltliner wurde zum Teil im Barrique vergoren, der Saint Laurent zu etwa 15 Prozent dort ausgebaut. Die Frucht bleibt vorn, das Holz bleibt Nebensatz.
Zehn Weine gehören dazu, von Riesling aus dem Dürkheimer Rittergarten über Sauvignon Blanc, Grauburgunder und Grünen Veltliner bis zu Spätburgunder, Saint Laurent und einer Rotwein-Cuvée. Der Rosé CM ist der einzige Roséwein des Hauses.
Zweite Höhe
Höhenflug
Wer den Aufwind gefunden hat, kann steigen. Höhenflug ist die Toplinie — dort landet, was der Betrieb an bestem Traubenmaterial hat.
Die Trauben kommen aus den besten Dürkheimer Lagen: Der Grauburgunder stammt aus dem Schenkenböhl, Chardonnay und Sauvignon Blanc aus ausgewählten Parzellen. Ausgebaut wird im Barrique oder im 500-Liter-Fass, sechs Monate und länger. Beim Spätburgunder reift etwa die Hälfte in neuen Barriques, der Rest in gebrauchten.
Sechs Weine, drei weiße und drei rote. Der Merlot und der Sauvignon Blanc gehören zu den höchstbewerteten Flaschen des Hauses.
Dritte Höhe
Ikarus
Der dritte Name ist der einzige, der eine Warnung enthält. Ikarus flog mit Flügeln aus Federn und Wachs zu nah an die Sonne, das Wachs schmolz, er stürzte ins Meer.
Ein seltsamer Name für ein Flaggschiff — bis man versteht, worauf er zielt. Der Ikarus kommt nur dann in die Flasche, wenn das Weinjahr es hergibt. Er ist reinsortiger Cabernet Cubin, eine Weinsberger Neuzüchtung aus Blaufränkisch und Cabernet Sauvignon, und liegt 24 Monate in amerikanischer und französischer Eiche.
Das Ergebnis: Brombeere, Cassis und Kirsche, dazu Cola, Leder, Tabak, Zeder, Pfeffer, Minze und Lorbeer. Am Gaumen stoffig und dicht, mit feinmaschigen Tanninen, einer strengen Eleganz und einem langen warmen Nachhall. 93 Punkte von James Suckling. Lagerfähig bis 2040.
Zu weit geflogen ist hier bisher niemand — der Betrieb steht auf konstanter Qualität, nicht auf einem einzelnen Höhenrausch. Der Name bleibt trotzdem ein guter Merkzettel.
Und darunter
Liter — der Boden, auf dem alles steht
Vor dem Aufwind kommt die Literlinie. Ein trockener Riesling aus verschiedenen Dürkheimer Lagen, abgefüllt in der Ein-Liter-Flasche, wie man sie auf Pfälzer Festen und in traditionellen Gaststätten trinkt. Thomas Hensel nennt sie selbst Zechweine.
Das ist Understatement. Der Wein ist knackig, frisch und hat eine leichte Kohlensäure, die ihn beschwingt macht — genau das, was ein Literwein können muss.
Kurz gefasst
Vier Namen, eine Logik
| Linie | Ausbau | Wofür |
|---|---|---|
| Liter | Edelstahl | Alltag, Feste, große Runden |
| Aufwind | überwiegend Edelstahl, teils Holz | Der Einstieg ins Premiumsortiment |
| Höhenflug | Barrique und 500-Liter-Fass | Beste Lagen, längere Reife |
| Ikarus | 24 Monate Barrique | Nur in guten Jahren |